Die „Ankermühle“ malt sich eine bunte Zukunft aus

Saniert und renoviert in Dach und Fach stellt sich die „Ankermühle“ im Sommer 2009 ihren Gästen vor.

Ihr Gesicht hat die Ankermühle aber schon mehrfach verändert und auch ihre Funktion. Wo heute Wein fließt und in der Gutsschänke die Küche brodelt, knackten die Mühlsteine früher Getreide. Als Wassermühle am Elsterbach gelegen, gehörte sie ab Mitte des 14.Jahrhunderts zu einer Gruppe von 14 (genau genommen sogar 15) Mühlen entlang dieses Bachs, der knapp neun Kilometer von seiner Quelle im Rheingaugebirge bis zu seiner Mündung in den Rhein dahin plätschert.

Die Assoziation von einem Anker zu einer Anlegestelle für Schiffer oder Fischer bietet sich an, ist aber nicht zutreffend. Die anfangs in hochherrschaftlichen oder klösterlichen Diensten rackernde Mühle lag auf einem damals als „Anger“ beschriebenem Flurstück. Dabei war ein Anger gar nicht einmal ein so abgelegenes Fleckchen Erde, wie es heute anmuten mag. Im Gegenteil, als Anger bezeichnete sich eher der Mittelpunkt eines Dorfes, an dem sich der zentrale Löschteich und Dorfbrunnen manchmal sogar die Kirche befanden. Allen Angern ist ein Schicksal gemeinsam: Sie wurden überbaut, so auch der Dorfanger in Winkel, der zum Standort für die „Angermühle“ wurde.

Ob es damals an der durch den Wein schwergängig gewordenen Zunge eines Ortschronisten, an seiner Sauklaue im Flurregister oder an der Weichheit des Hessischen Idioms lag, ist nicht bekannt. Auf jeden Fall assimilierte sich aus der Angermühle irgendwann die Ankermühle zurecht.

Im Jahr 1891 erwarb ein Karl Eiser die Mühle von deren Vorbesitzer Balthasar Krayer. Er betrieb die Mühle und den Weinbau bis zum Jahr 1923. 1928 übernahm Eisers Sohn Karl Josef die Anlage ohne Kornmühlenbetrieb und baute die bereits dazu gehörende Weinbaufläche aus. Er betätigte sich eine zeitlang auch in der Schafzucht. Als letzter Eigentümer baute die Winzerfamilie Axel Eiser in vierter Generation auf den zum Teil klassischen Rheingaulagen Wein auf den Hängen unterhalb Schloss Johannisberg an und in eigenen Kellern auf dem Grundstück aus.
Aus Altersgründen gab Axel Eiser im Sommer 2008 sein Weingut in neue, jüngere Hände.

Erstmalig in der Geschichte der „Ankermühle“ übernahmen „Ortsfremde“ die Obhut über dieses Kulturdenkmal und ...eine Frau als Gutsherrin. Mit Birgit Hüttner übernimmt eine waschechte Oberschwäbin aus der Weinbauregion Bodensee Aufsicht und Fürsorge über dieses idyllisch gelegene Kleinod.

Zusammen mit ihrem Winzer Jörn Goziewski, Koch Marc Oertel im Restaurant und Ehemann Holger Bub im Hintergrund baut die erfahrene Marketingfrau erstens auf nachhaltigen Umgang mit der Natur, zweitens auf Tradition im Keller,  drittens auf „unübliche, feminine, bunte Produkte,“ viertens auf Anspruch und Neugier ihrer Kundschaft auf hochklassige Erzeugnisse und fünftens auf gutes Wetter.