Knackiger Ge-Nuss aus Rheingauer Auen

Rheingauer Genuss- und Gesundheitsgeheimnis ist geknackt Walnussernte schlägt sich auch auf der Ankermühlen-Speisekarte nieder

Auf dem Areal des Weinguts „Ankermühle“ gedeihen nicht nur Weinreben, sondern auch Walnussbäume. Die Anzahl von 14 Bäumen reicht zu einer eigenen Ernte aus, die auch die Gäste des Gutsrestaurants beim Verzehr einiger Spezialitäten genießen können.

Wenn im Rheingau die Nüsse knacken

Zwar erwarten wahrscheinlich die Wenigsten Walnussbäume an dieser Stelle, aber im Grunde ist diese Verwunderung nicht berechtigt, denn Walnüsse gehören schon sehr lange als typisches Gewächs zum Rheingau.

Die Walnuss ist uralt. Schon vor 9.000 Jahren, wenn nicht sogar schon früher, soll es sie gegeben haben. Sie stammt aus Asien. Die Griechen und Römer kannten sie schon seit dem 7. bis 5. Jahrhundert v.Chr. und wollen sie beide nach Europa verbracht und dort verteilt haben. Im Fall Rheingau schreibt man die Verbreitung logischerweise den Römern zu. Ganz vereinfacht kann man hinsichtlich des Verbreitungsgebiets der Walnuss sagen: Überall dort wo es Wein gibt, fühlt sich auch die Walnuss sehr wohl. Deshalb sind Standorte größerer Anpflanzungen an Mosel und Rhein auch keinesfalls verwunderlich. Nachweislich wuchsen in früheren Jahrhunderten noch bis vor den Weltkriegen auch im Rheingau und dort auch entlang der Rheinauen um Oestrich-Winkel die Walnussbäume zwar nicht in den Himmel aber immerhin bis zur Ernte bedeutender Mengen. Obwohl der Walnussbaum nicht übertriebener Pflege bedarf, verschwand er zunehmend.

Der Import der Nüsse aus anderen Ländern wie Frankreich, Spanien, USA, Ukraine und Ungarn erwies sich wahrscheinlich als „einfacher.“ So gingen die Bestände nach der Überzeugung von Fachleuten noch einmal von 1950 bis 1990 massiv um mehr als 65 Prozent zurück. Insofern stellen die bestehende Walnussbäume der „Ankermühle“ in den Auen des Elsterbachs, eine kleine, beachtenswerte Besonderheit dar. In der Gegend um den Ort Marienthal sowie an der Wallufer Straße („Rheingauer Riviera“ genannt) in Eltville findet man unter anderem auch noch zahlreiche Walnussbäume.

Was verbirgt sich hinter der Walnuss?

Nicht weil die Walnuss im Vergleich zu anderen Nüssen so groß ist wie ein Wal im Vergleich zu den vielen anderen Fischen, heisst die Walnuss Walnuss. Die Silbe „Wal“ stammt vielmehr vom Begriff „welsch“ ab. In der deutschen und in anderen germanischen Sprachen umschreibt „welsch“ immer etwas Romanisches oder Lateinisches. Da die Germanen diese große Nuss den Römern als Überbringern zurechneten und die Römer für sie die Welschen verkörperten, benannten sie die Nüsse nach den Welschen, also „Welsche Nuss. Weil der Ursprung aber auch nichts mit einem Wall, also einer Mauer, zu tun hat, schreibt sich die Walnuss auch korrekterweise nur mit einem „l“, wenn auch unzählige Mitmenschen, selbst Fachleute wie Förster, Gärtner oder Köche,  sehr häufig die Doppel-„l“-Lösung nutzen. 

Der Baum der Walnuss stand einerseits für die Fruchtbarkeit der Frau aber andererseits auch als Symbol für die Sünde. Der botanische, lateinische Name (Juglans) basiert dazu verschärfend auf der Spitze des überirdischen Geschlechtsteils des Göttervaters Zeus (Jovis glans). Diejenigen, die es nicht so genau wissen wollen, lassen es bei der Bezeichnung als eine Art der Eichel. Neben der bäuerlichen Eichelfrucht der gemeinen Eiche soll das Anhängsel „regia“ ( juglans regia als voller Name) in der lateinischen Bezeichnung der Walnuss die Besonderheit und die Königlichkeit dieser Frucht verdeutlichen. Schließlich setzten sich unter anderem Kaiser Karl der Große und später Kaiserin Maria Theresia für die systematische Verbreitung des Walnussbaums ein.

Die Walnuss wird häufig aber deshalb nicht richtigerweise als Steinobst oder Steinfrucht geführt. Die grüne Schale gehört indes eindeutig nicht zur Frucht; die Walnuss ist tatsächlich eine echte Nuss. Ihre Frucht sind die beiden gefalteten und getrennten Keimblätter im harten, braunen Kern. „Nüsse machen dick“ behält sich der Volksmund vor zu behaupten. In üblichen Maßen (bis zu 50g/Tag) verzehrt trifft das allerdings nicht zu. „Nüsse sind gesund“, müsste es viel zutreffender heißen. Richtig ist zwar, dass die Walnuss arg viel Fett beeinhaltet, aber dieses Fett gehört zu den mittlerweile vergötterten so genannten  Omega-3-Fettsäuren, die sich der gesundheitsbewusste Mensch nicht in Maßen, sondern in Massen reinschieben sollte. Das Fettsäureverhältnis gilt als genial. Nur 14% sind einfach ungesättigte Fettsäuren (z.B. Ölsäure) aber 72 % mehrfach ungesättigte Fettsäuren (z.B. Linol- und Linolensäure). Walnüsse enthalten nur 9 % gesättigte Fettsäuren.

Walnüsse als Gesundheitsbringer

Walnüsse sind wegen ihrer Nähr- und Inhaltsstoffe etwas ziemlich Einmaliges: Sie enthalten etwa 60 % Fett, 20 % Eiweiß, viel Vitamin B1 und C, Spuren von Vitamin B2, A und E sowie reichlich Mineralstoffe (u.a. Kalium, Calcium, Eisen, Magnesium, Phosphor). Daher reichen  nur wenige Walnüsse in der Tasche für eine Tagesration im Krisenfall aus. Zwei Walnüsse pro Tag gehören zu einer idealen gesundheitsbewussten Ernährung. Omega-3-Fette können vor koronaren Herzerkrankungen schützen. Darüber hinaus wird durch Studien belegt, dass ein regelmäßiger Verzehr von Walnüssen den Gesamt- und LDL-Cholesterinspiegel senken kann. Neben den positiven Auswirkungen auf den Fettstoffwechsel sind Walnüsse eine gute Quelle für Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente. Das beinhaltete Vitamin E schützt vor oxidativen Schädigungen und Arteriosklerose.

Die enthaltenen B-Vitamine können den Kohlenhydratstoffwechsel positiv beeinflussen. Und ein weiterer Irrtum wird aufgeklärt. Werfen Sie Orangen und Zitronen als vermeintlich stärkste Vitamin-C- Lieferanten auf den Biomüll. Die Walnüsse, vorallem die halbreifen im Juni geernteten, protzen mit doppelt so viel davon. (Übrigens ist das gar nicht soviel wie man immer meint: Zitrone 0,3 bis 0,7 %, Walnuss 1,3 %) Und ein wichtiger Aspekt ist dabei überhaupt noch nicht angesprochen: Walnüsse schmecken unheimlich gut und werden deshalb gerne zur Speisen- und Dessertzubereitung verwendet.

Nussaromen im Glas und auf dem Teller

Ein weiterer Bezug der Walnuss besteht natürlich auch zum Wein. Wer kennt sie nicht, diese im Zustand höchster Verzückung oder bösartiger Marketingverkostung geäußerten Einstufungen der real oder vermeintlich eingesogenen Geschmacksaromen und –nuancen? Nussig ist dabei schon ganz prima. Aber wenn der Verkoster „deutliche Walnussnuancen“ aufspürt, gehen Freude und Erfolg eine unverbrüchiche Brüderschaft ein. Silvaner, Weißburgunder und natürlich – und damit hier an dieser Stelle besonders erfreulich – Rieslinge verströmen bei trockenem Ausbau nicht selten dieses Walnussaroma. Auch die berühmten Chablis Weissweine zählen zu den anbetungswerten Tropfen mit Tendenzen zur königlichen Nuss.

Der Besonderheiten kein Ende. Woher käme eines der besten Öle, die gerade in letzter Zeit des gestiegenen Gourmetbewusstseins „in“ sind, wenn es die Walnuss nicht gäbe? Und damit baut sich auch schon wieder ein Zusammenhang zwischen Walnuss und Rheingau auf. Vereinzelte Mühlen in dieser Gegend rackerten nämlich als Nussölmühlen vor sich hin. Für die feinen Walnussöle heutiger Tage benötigt man gut fünf Kilo Nüsse für einen Liter Nussöl.

Die ätherischen Öle der Walnuss genießen hohe Anerkennung in der Medizin. Außerdem verjagt der Inhaltstoff „Juglon“ Insekten jeglicher Art. Unter oder neben Walnussbäumen lässt sich deshalb nächtlich hervorragend feiern oder auch schlafen. Selbst der Boden zu Füßen der Walnuss ist durch seine Ausdünstungen schädlingsfrei.

Die Walnuss hat noch mehr auf Lager, genauer gesagt auf dem Holzlager. Walnussholz zählt zu den besten Edelhölzern dieser Welt. Vor allem edle Furniere sind gefragt. Darüber hinaus werden Rundhölzer aus diesem warm wirkenden goldbraunen bis mausgrau-silbernem Holz im eleganten Innenausbau bevorzugt eingesetzt.

Und dann eröffnet sich natürlich auch noch eine schöne Wortursprungsanalyse. Der Begriff „Polterabend“ leitet sich aus dem alten Brauch her, dem Brautpaar in der Nacht vor der Hochzeit haufenweise Walnüsse durchs Fenster ins Schlafzimmer zu werfen. Na, das hat gepoltert.

P.S: Der Walnussbaum war vom  „Kuratorium Baum des Jahres“ (KBJ) zum „Baum des Jahres 2008“ auserkoren worden.